Discography Details

NICKENDES PERLGRAS
DIE HINTERE VASE

michael thieke:
clarinet, alto clarinet, alto saxophone
michael anderson:
trumpet
eric schaefer:
drums

recorded november 1999 by ansgar ballhorn in cologne
design alexander schmidt
jazzhausmusik/cologne (D) 2000
www.jazzhausmusik.de
01 wiener dog (anderson) 3:01
02 milz (anderson) 4:51
03 dante extra vergine (anderson, thieke, schaefer) 2:06
04 glänzender lügner (thieke) 7:37
05 lingus (anderson) 5:17
06 stroh-alm (schaefer) 3:02
07 fanfare (anderson, thieke, schaefer) 3:56
08 flavoids (anderson, thieke, schaefer) 6:03
09 stöckchen in speiche (schaefer) 2:34
10 und plastikschweine (thieke) 6:20
11 ovulus (schaefer) 3:13
12 wo die vasen grasen (anderson, thieke, schaefer) 5:21

Press

Nickendes Perlgras is the name of a trio: Michael Anderson, Michael Thieke, Eric Schaefer; respectively on trumpet, alto saxophone/clarinets, and drums. Young musicians who, without rejecting anything, extract from the events before them; who take on and digest everything. It is not simple to create a synthesis out of so many available elements, and not at all simple to brew an interesting music in the process. The trio is a geometrically perfect formula, especially in Jazz. Each player can send information left and right and remain exactly on his place. No piano, no bass, no other instrument to keep time or simplify the process of communication. By the first hearing; one thinks of the Eskelin Trio (Anderson has played with Jim Black): powerful music, dynamic music, a sound verging on hard, fat drums, precise timing, very clear structured forms, improvisations that mash perfectly in the ensemble sound. One is also reminded of Trio Bravo, E Guijecri and others who create different sound environments from a similar point of departure. Even if the twelve compositions may not hold the attention captive to the end, Nickendes Perlgras musical perspective proves to be very interesting. And it is „current music“, to use a term that has been appropriated by the culture-establishment; in any case it is a music firmly rooted in its time.
Jean Buzelin JAZZMAN (F) 10/2000

Nickendes Perlgras. Ist das ein Bandname? Schummrige Seeanemonen mit blaugelben Glupschaugen. Ist das ein Plattencover? Zwei Bläser, ein Schlagzeuger. Ist das eine Band? Michael Anderson, tp, Michael Thieke,as,acl,cl, und Eric Schaefer, dr, kultivieren das Rätsel und das Unerwartete-auch in der Musik. Hinter Titeln wie „und Plastikschweine..“ oder „Milz“ verbergen sich Stücke voll von vertrackten Wendungen und grotesker Poesie. Bass-und Harmonieinstrumente sind zu Hause geblieben bei der Abenteuerfahrt ins Unbekannte, und man hört den übrigen Klangerzeugern vergnüglich an, wie ihnen die ungewohnte Freiheit an den Sohlen kitzelt. Anderson und Thieke begleiten sich gegenseitig auf immer neuen Wegen, weit abseits von ausgetretenen bass walks und Harmonieabläufen. Genüsslich nützen den unverstellten Frequenzraum für feinsinnige Klangabstufungen: Unterblasenes, Angerauhtes, Obertöniges tummelt sich ausgelassen mit den trockenen aber reichhaltigen Schlagzeugklängen Eric Schaefers. Der ergeht sich in Rhythmuswechseln, Polyrhthmik und- die schlanke Formation machts möglich- in Zurückhaltung. Dabei orientieren sich die Berliner Musiker in ihrem klanglichen Wundergarten mit traumwandlerischer Sicherheit. Ein übermächtig treibender Groove bleibt auch von den lyrischsten Ecken aus in Sicht, und kein Ton erklingt, der nicht von sorgfältig erkundeten Stilhöhen aus abgezirkelt wäre. Die Musiken Olivier Messiaens, Morton Feldmans, Charles Mingus‘ und Anthony Braxtons winken in der Ferne, ebenso wie ein Hauch von osteuropäischer Folklore und ein dicker Brocken Funk. Das klingt ein wenig nach New Yorker Downtown-Avantgarde, nach Dave Douglas oder Tim Berne. Tatsächlich kommt Michael Anderson wie so mancher Wahl-New-Yorker aus Seattle, und nicht von ungefähr hat Eric Schaefer in Carlos Bicas Azul-Band den fulminanten Jim Black am Schlagzeug abgelöst- dennoch sind Nickendes Perlgras alles andere als Abklatsch. Vielmehr zeigen sie, dass die althergebrachte Rangelei ums Europäische im Jazz langsam obsolet wird. Der Weg zur Innovation führt auf beiden Seiten des Atlantiks in dieselbe Richtung- Nickendes Perlgras hat sie eingeschlagen.
Marcus Gammel, JAZZPODIUM (D) 2000

...demonstrieren, wie bruchlos Element des modernen Jazz neu geordnet, vermischt und restauriert werden können...
KÖLNER STADTANZEIGER (D) 08/2000

Nickendes Perlgras kennt kein Pardon, wenn die Musiker ihrem Publikum eins auf die Ohren geben, aber einmal verdaut, macht dieses Perlgras Melica süchtig..
TAZ (D) 07/2000