Discography Details

ERIC SCHAEFER DEMONTAGE
CUT+PASTE POETRY

daniel erdmann:
tenor saxophone, baritone saxophone, flute
michael thieke:
alto clarinet, alto saxophone, clarinet
michael anderson:
trumpet
johannes fink:
bass
eric schaefer:
drums

all copmpositions by eric schaefer
recorded by matthias middelkamp august 2004 in weimar
cover by patrick hespeler-pagels
schöner hören/berlin (D) 2005
www.schoener-hoeren.de
01 jimmy jump 2‘59
02 tenga 5‘20
03 a leggiera 3‘46
04 altered perspective 2‘13
05 poco pesante 3‘10
06 song gwangsa song 6‘46
07 how to ride the ecclectic horse 6‘05
08 always keeping he question 7‘22
09 drei sonnen 4‘15
10 lux ununm 4‘56

Press

Chilly Gonzales in einer SPEX-Titelstory dokumentierte Jam-Session mit lokalen Musikern, ausgerechnet im Berliner Schlot, war der General-Diss gegen die Berliner Jazzszene. “Sie denken nur in Schemata: Tonlagen, Akkordfolgen, Soli. Das ist krank", so philosophierte der grosse Entertainer, und der Schreiber protokollierte genüsslich. Trifft seine Aussage im Kern eigentlich jede Form von noch nicht ausgereifter Musizierhaltung, hat der alte Angeber dabei vergessen, dass es in der Hauptstadt von Individuen nur so wimmelt, die die Schemata längst genug verinnerlicht haben, um sich ihrer Gravität zu entziehen. Neben den bekanntesten Beispielen, die alle irgendwie im Roten Bereich, der Enttäuschung, dem Nickenden Perlgras und einem unübersichtlichen, frei improvisierenden, schlecht bezahlten Kreuz und Quer aktiv sind, ist Eric Schaefer einer der aufsehenserregenden Schlagzeuger der Stadt. Seine meines Wissens nach zweite CD mit der Demontage ist ein erneuter Beweis.. Schaefer springt tatsächlich wie im Cut'n'Paste-Verfahren durch dermassen abgefahrenen Grooves, dass aufgeweckte Breakbeat-Haie besser schon mal die Sampler scharf machen. Aber das ist keine Einmann-Show mit Staffage, sein ausgefuchste Rhythmik dient sich fast ausschliesslich dem Gesamtsound an, der mit drei Bläsern genüsslich ausgeschöpft wird: grosse Intervalle in der Melodieführung, Unrast inn unaufgelösten Dissonanzen. Ein ständiges Drängen und Dräuen, das auch in den langsamen Stücken für Hochspannung sorgt. Die Grenze zwischen Arrangement und Improvisation ist gewissenhaft verschleiert wie die Übergänge zwischen (marginaler) Blueseinfärbung, M-Base-Kühnheit und der europäischen Post-Webern-Tonkunst. Bei aller Geschmeidigkeit, mit der das Quartett die schwierige Musik meistert, bleibt jedoch der Eindruck, den diese Sorte zeitgenössischer Jazz (das Nickende Perlgras gehört auch dazu) übrigens mit weissen Westküsten-Hip-Hoppern teilt- nämlich dass es sich bei Musik um harte Arbeit handelt. Das ändert aber nichts daran, dass es gute Arbeit ist.
Eric Mandel, JAZZTHETIK (D) 10/2005

Drei Fünftel dieses Neuberliner Quintetts, der Trompeter Michael Anderson, Michael Thieke an Altosaxophon & Klarinetten und der federführende Drummer Eric Schaefer, sind bereits als Nickendes Perlgras durch BA 46 gezittert, über ein viertes Fünftel in Gestalt des Wolfsburger Tenor- & Baritonsaxophonisten Daniel Erdmann konnte man im Creative-Sources-Kontext stolpern (BA 47). Fehlt nur noch der Bassist Johannes Fink, 1964 in Erlangen geboren, der ansonsten mit Erdmann in Günter Adler und Erdmann 2000 zu finden ist oder, neben Aki Takase & Rudi Mahall, in Aki and the Goodboys. Berlin ist mit seinem (noch) billigen Wohnraum und mit seinem Weltstadtversprechen zum Magneten geworden und wirbelt die in seine Schwerkraft Geratenen in immer neuen Konstellationen durcheinander. Neben den ‚Berliner Reduktionisten‘ hat sich auch ein virulentes Feld gebildet innerhalb dessen, was ich mal die ‚Fraktion der abgeklärten Reflexion‘ getauft habe. Eine Nachmoderne zweiter Ordnung, die unaufgeregt, aber sophisticated, mit cool konzipierten, eher hintersinnigen als überschwänglichen Variationen des Modern-Jazz-Fundus jongliert. Das eponymose Demontage-Debut (JazzHausMusik, 2002) hatte schon das dekonstruktive Moment ausgestellt und mit Cut + Paste werden Collagenprinzip und Eklektizismus erneut unterstrichen. Wobei Schaefers Kompositionen, und es sind durchwegs ausgefeilte, maximal 6 - 7-minütige Kompositionen mit so schönen Taufnamen wie ‚how to ride the eclectic horse‘ oder ‚always keeping the question‘, die ein Spektrum von Abstract Bop bis zu ambienten, melancholisch angehauchten Impressionen auffächern, harte Schnitte und surreale Chocs durchwegs meiden. Der 1976 geborene Drummer, der auch bei Carlos Bica & Azul zu hören ist oder im Pianotrio des Schweinfurters Michael Wollny mit Eva Kruse, versteckt die Schnitte in einem integrativen Fluss von Versatzstücken, die nie als solche wirken, vielmehr als organisches Wiederzusammenführen mit dem Akzent auf Poetry. Anstelle des Zitats treten gedämpfte Déjà vus, ach, nicht einmal Déjà vus, eigentlich nur eine Grundstimmung des nicht Unvertrauten. Auf der Basis eines so geweckten Vertrauens locken die fünf Umbaumonteure die Imagination über die Schwelle kleiner Differenzen in ein Labyrinth lyrischer Mehrdeutigkeit, die in der mystisch angehauchten Paradoxie von ‚drei sonnen‘ - ‚lux unum‘ ausklingt.
Rigo Dittmann, BAD ALCHEMY (D) 10/2005

Geheimtipp trifft es nicht wirklich. Der Schlagzeuger Eric Schaefer ist einer von den jungen Grenzgängern der Berliner Szene, den man bei so unterschiedlichen Band wie denTrios von Michael Wollny und Carsten Daerr auf der einen Seite, und eigene Projekten wie dem Quintett Demontage auf der anderen wieder findet. Er ist einer, den man sich merkt, wenn man ihn einmal auf der Bühne mit seinem bunten Instrumentarium der Klangerzeugung erlebt hat. Und er ist einer, der munter an den Ausdrucksgewohnheiten der Avantgarde sägt, sie zerlegt und mit lakonischem Ernst wieder neu zusammensetzt. „Cut & Paste Poetry“ ist daher ein Experimentierfeld, das Ausflüge in konträre Richtungen zulässt und den Musikern ebenso Freiheiten bietet, wie es sie wieder in klar ausnotierte Passagen zurückführt. Diese Methode der kommentierenden Komprovisation ist zwar nicht neu, hat aber jenen typischen Berliner Humor, der trocken und ein wenig überkandidelt den ganzen Kosmos der stilistischen Möglichkeiten für sich beansprucht.
Ralf Dombrowski, JAZZ THING (D) 11/2005

Ce dernier album d'un groupe de jeunes musiciens allemands que nous n'avons malheureusement que peu de chances d'entendre dans nos contrées comporte quelques noms que nos oreilles hexagonales ont pu découvrir progressivement ces dernières années : le leader, batteur et compositeur de l'intégralité de ce disque, Eric Schaefer, est membre du trio Em du pianiste Michael Wolny, se produit régulièrement aux côtés du contrebassiste Carlos Bica et au sein du trio Johnny La Marama du guitariste Kalle Kalima, des formations que nous avons déjà présentées dans macao. Le contrebassiste Johannes Fink est membre, entre autres, de Erdmann 3000 (voir la chronique en lien ici) dont le leader n'est autre que le saxophoniste Daniel Erdmann qui se partage entre la France et l'Allemagne et dont nous avons déjà abondamment parlé dans ces lignes. À leur côté se trouvent le trompettiste Michael Anderson et le saxophoniste et clarinettiste Michael Thieke qui a par ailleur joué aux côté de Gebhard Ullmann. Autant le dire tout de suite : la musique est intéressante, les compositions et arrangements léchés, vraiment chiadés et on notera une parenté évidente avec le disque "Berlin calling" (chroniqué ici), sorti l'année passée chez Act records, dans le sens où la filiation avec ce que l'on nomme habituellement jazz est naturelle, mais pas revendiquée, ces musiciens ayant d'autres soucis en tête, tels que créer quelque chose et s'exprimer dans leurs propres contextes, sans faire table rase de références, mais sans s'en encombrer. Surtout, il nous donne à entendre une actualité vivante et extrêmement dynamique en provenance d'outre-Rhin, avec laquelle, encore une fois, nous n'avons que trop peu de contacts, ce qui est très franchement de plus en plus surprenant au vu de se qui s'y déroule.
Pierre Villeret, MACAO (F)